Aus taubengrau wird gabelrackenbunt

Linz

 

 

Das bin ich im Höhenrausch. Sieht gar nicht so aus, was? Ist auch klar, denn der Höhenrausch 2015 ist eine Ausstellung im OÖ Kulturquartier in Linz. Aber es dreht sich tatsächlich um ... VÖGEL! Hey, eine Ausstellung nur über mich und meine Artgenossen! Klar, dass ich da hin musste! Und was soll ich sagen? Es war toll! Von allem war etwas dabei: Witziges, Schönes, Abgefahrenes, Nachdenkliches, Herziges. Ganz oben auf dem Dach hatte man eine riesige Voliere installiert, in der leben verwaiste oder von ehemaligen Besitzern vernachlässigte Papageien. Irgendwo auf dem Weg dorthin gab es eine Videoinstallation von Menschen, die sich schnell und abgehackt bewegten wie manche Vögel und ebenso zwitscherten. In einer großen Voliere hatte ein Künstler den dort wohnenden Zebra- und Reisfinken eine Bibliothek zur Verfügung gestellt. Überall waren Bücher gestapelt und die Glücklichen flatterten dazwischen herum. Sie hatten sogar Reiseführer! Merkwürdigerweise las keiner der Finken. Aber ach, was erzähle ich lang von der Ausstellung, guckt einfach selbst, was es noch zu gucken gab:

 

 

"Vogelkino", eine Installation von Thomas Macho. Hier kann man lauter Filmausschnitte mit Vögeln gucken.  Die Frau gehört nicht zur Installation.
"Vogelkino", eine Installation von Thomas Macho. Hier kann man lauter Filmausschnitte mit Vögeln gucken. Die Frau gehört nicht zur Installation.

 

 

Ich hatte jedenfalls möwenmäßig Spaß, denn die Künstler haben sich ein und dem gleichen Thema auf so unterschiedliche Art angenähert. Und ich als Besucher wurde deshalb auf verschiedenste Weise angesprochen: Starres angucken, Bewegtes angucken, hören, selber machen, anfassen. Manches musste ich suchen, Manchem begegnete ich zufällig, Manches nahm ich erst auf den zweiten Blick als Kunstwerk wahr.

 

 

 

 

Kunst ist überhaupt ein Stichwort, das Linz heutzutage prägt. Es gibt Kulturveranstaltungen und Einrichtungen, so zahlreich wie die Mitglieder einer Pinguinkolonie: Die Linzer Klangwolke, das Brucknerfest, das Pflasterspektakel, den Posthof… Manchen von euch Österreichliebhabern mag das erstaunen, ist doch Linz nach dem zweiten Weltkrieg bekannt geworden als Stadt der Voestalpine Stahlwerke und hat sich damit einen eher staubigen Ruf erarbeitet (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Fabrik gibt es tatsächlich immer noch, aber sie produziert nun umweltfreundlicher und zusammen mit der bewussten Kulturoffensive hat das den Wandel von Linz bewirkt. Aus der taubengrauen Arbeiterstadt ist eine gabelrackenbunte quirlige künstlerische Stadt geworden.

 

 

 

 

Passend dazu fand ich prompt eine ganz besondere Schnittstelle zwischen Handwerk und Kunst: Das Zahnmuseum. Zähne fand ich schon immer ziemlich interessant, sind sie doch ein Phänomen, mit dem ein Plüschrabe nicht ausgestattet ist.

 

 

 

 

Das Museum ist eine gelungene Mischung aus Skurrilität, leichter Unterhaltung und Folterkammer. Solltest du also Sinn für eine solche originelle Kombination und noch eine halbe Stunde in Linz wirklich übrig haben, ist das der richtige Ort für dich.

 

 

Hier ist der Beweis: Meine Zahnstellung ist astrein.
Hier ist der Beweis: Meine Zahnstellung ist astrein.

 

 

Linz ist auf jeden Fall einen halben Tag Aufenthalt wert, denn die Haupteinkaufsstraße ist lebendig und quirlig. Der Hauptplatz ist tatsächlich sehenswert und wer Interesse an aktuellen Kultur- und Kunstveranstaltungen hat, sollte sowieso länger bleiben.

 

 


Infos:


Mehr zu den Kunstwerken im Höhenrausch 2015.

2016 gibt es auch einen Höhenrausch. Ich glaube, es geht um Engel.

Du interessierst dich für das Zahnmuseum? Dann schau hier nach.

Was ist eigentlich diese äußerst fotogene Ars electronica?

Kultur in Linz


In Linz war ich im August 2015.