Der Name ist Programm

TukTuk

 

Also, von einem Ding habe ich euch noch nicht erzählt. Und das, obwohl ich es doch unverbrüchlich mit Kambodscha verbinde: Das TukTuk!

Das TukTuk ist ein äußerst verbreitetes Verkehrsmittel, übrigens in weiten Teilen Asiens. Es ist vergleichbar mit einem europäischen Taxi, aber irgendwie ist es auch wieder völlig anders. Man kann es mieten, für eine Fahrt mit Fahrer. Aber beim Fahrzeug fängt der Unterschied schon an: Es ist kein pieksauberer, ledergepolsterter PKW der oberen Mittelklasse, sondern im Prinzip ist es eine kleine Kutsche, die an ein Moped angehängt wird und das Tuckern des ziehenden Mopeds gab diesem Gefährt unter Garantie seinen Namen.

 

 

Das ist der Leichenzug eines hohen politischen Tieres der Provinz Battambang. Es gab übrigens auch Fußgänger und Autos.
Das ist der Leichenzug eines hohen politischen Tieres der Provinz Battambang. Es gab übrigens auch Fußgänger und Autos.

 

 

Ebenfalls sehr unterschiedlich ist der Preis. Während das Taxifahren bei uns ja so dermaßen teuer ist, dass es sich selbst die reichste Elster nur selten leistet, ist das TukTuk-Fahren hier fast geschenkt. Selbst für Touristen gibt es hier keine völlig überhöhten Preise. Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, dass Reiseraben und Ausländer nur minimal mehr bezahlten als Einheimische, wenn überhaupt. Außerdem ist das TukTuk ein Freilufttaxi. Die Fahrgäste sitzen unter einem Dach aus dicker Plane und lassen sich den Fahrtwind um den Schn…, nein, die Nase wehen, was im feuchtwarmen Klima Kambodschas eine willkommene Maßnahme ist.

 

 

 

 

Überhaupt macht TukTuk-Fahren möwenmäßig Spaß, nicht nur wegen der Luftigkeit, die mich durchaus ans Fliegen erinnert. Wenn ich im TukTuk sitze, bin ich mitten im kambodschanischen Leben. Flokatinah rauschen die PKWs und überladenen Laster an mir vorbei. Wenn ich will, kann ich tief ihre Abgase und andere Düfte der asiatischen Straßen inhalieren. Oftmals sind die Fahrer –es gibt ausschließlich männliche- irre nett und sonnig, quasi schon charmant. „You were waiting for me?“, hat einer von ihnen eine junge Frau gefragt. Was soll man da anderes antworten als das, was die Frau geantwortet hat: „I was waiting for you for my hole life!“ Ein anderer hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er hatte sein TukTuk zu einer Art fahrenden Jukebox umgebaut: Offensichtlich gab es eine kleine Musikanlage an Bord und die Fahrgäste durften die Titel auswählen, die während ihrer Fahrt gespielt werden sollten. Außerdem hatte er sein kleines Gefährt mit Wlan ausgestattet. All das bewarb er in der Fressmeile Siem Reaps mit freundlichen Ausrufen und einem handgeschriebenen Pappschild, das er mit ausgestreckten Armen hoch in die Luft hielt. Dabei strahlte er eine so unfassbare Freude und auch ein bisschen Stolz über seine Erfindungen aus, dass ich nahe dran war, eine Runde mit ihm durch die Stadt zu fahren, obwohl ich eigentlich nur ein bisschen durch die Gassen flattern wollte.

 

 

Vor dem Nationalmuseum in Phnom Penh
Vor dem Nationalmuseum in Phnom Penh

 

 

Grundsätzlich war die Kommunikation mit den TukTuk-Fahrern immer sehr angenehm, egal ob es darum ging, ob man überhaupt fahren wollte oder für welchen Preis. Wie in Kambodscha üblich, boten sie mir ihre Dienste einfach nur an. „TukTuk, Sir?“, wurde ich gefragt, sobald ich ein Lokal nach dem Abendessen verließ (Sir!). Wenn ich ablehnte, war das auch in Ordnung, man ließ sofort von mir ab. Die eloquenteren unter ihnen schickten allerhöchstens doch die Frage hinterher, was ich denn morgen vorhätte, da könnte er mich ja kutschieren, vielleicht zu einer Pfefferplantage? Dann scherzte ich ein bisschen mit ihm darüber, dass ich morgen 300 km zurückzulegen hätte und dass ich die NATÜRLICH mit ihm fahren würde, wenn er das schaffen könne. Oder dass ich mir morgen die Stadt aus der Luft angucken wolle und wenn sein TukTuk fliegen könne, könnte er mich gerne um neun abholen. Aber allerspätestens danach konnte ich meiner Wege ziehen und hatte eher das Gefühl einen lustigen Plausch gehalten zu haben, als ihn abwimmeln zu müssen.

 

 

 

 

Einmal jedoch bin ich eine Verabredung für den nächsten Tag eingegangen. Da wollte ich nämlich einen kleinen Aus-Flug in den Dschungel um Kep herum unternehmen. Aber ich war noch etwas geschwächt von meinem verdorbenen Magen und fühlte mich nicht ausreichend fit dafür. In den Dschungel wollte ich aber unbedingt und da war eine Spazierfahrt mit dem TukTuk genau das Richtige! Mich wunderte, dass der TukTuk-Fahrer einwilligte, denn es handelte sich tatsächlich um klassische Waldwege mit entsprechenden Unebenheiten und Steigungen. Aber gut, er würde ja wissen, worauf er sich einließ. So holte er mich und Phally, meinen Reisebegleiter dieser Tage, am nächsten Morgen ab und wir tuckerten los. Es ging tatsächlich ganz schön über Stock und Stein, aber das TukTuk hielt tapfer durch und meisterte die Herausforderungen. Bis wir an eine recht steile und vom Regenwasser zerfurchte Stelle kamen. Das war dann doch zu viel und das Moped warf die Kette ab. Mitten im Aufstieg! Was nun? Ganz einfach: Mit kambodschanischer Gelassenheit machten sich Phally und der Fahrer daran, die Kette wieder aufzuziehen und das TukTuk noch ein paar Meter weiter zu schieben bis der Weg wieder flacher anstieg und weiter ging´s.

 

Normalerweise finde ich es ja dreist, Spazierwege motorisiert zurückzulegen und ärgere mich über die Störung, weil ich mich ja in den Wald begebe, um meine Ruhe zu haben. Aber heuer konnte ich nicht widerstehen und immer, wenn wir Spaziergänger überholten, hatte ich prompt ein schlechtes Gewissen und versuchte entschuldigend zu lächeln.

 

Das letzte Erlebnis zeigt übrigens noch einen Unterschied zu den Taxis zu Hause: Ein solcher Aus-Flug wäre mit deutschen Mietwagen nie möglich gewesen. Und genau für diese Andersartigkeit liebe ich die kleinen TukTuks und finde es hummelstark, dass sie in großen Teilen Asiens allgegenwärtig sind.

 

 

Am Osttor von Angkor Thom
Am Osttor von Angkor Thom

Infos:

 

In Kambodscha war ich zum Jahreswechsel 2015/16.